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Aptum

Ein phasenbasierter Schreib- und Prüfprozess für deutsche Texte, als Claude-Skill.

Benannt nach dem rhetorischen aptum: Kein Text ist an sich gut, er ist angemessen an Sache, Publikum und Absicht. Der Skill prüft deshalb nie gegen eine allgemeine Norm, sondern immer gegen einen erklärten Auftrag.

Wozu

Maschinell erzeugte Prosa scheitert selten an Stilregeln. Sie scheitert daran, dass geschrieben wird, bevor entschieden ist, was der Text behauptet. Dann ist eine Form zu füllen und nichts da, womit. Gefüllt wird mit dem, was ohne Fakten geht: Kadenz, Antithese, Bild.

Der Auslöser für dieses Projekt war ein Satz dieser Bauart, der jede Regel eines strengen Stilregelwerks einhält und trotzdem leer ist (Beispiel nachgebaut):

Der Rückstand ist messbar. Die Aufholjagd beginnt in einer Garage.

Zwei Sätze im gleichen Takt, ein konkreter Gegenstand, der gegen drei andere austauschbar wäre, und eine Einlösung, die nie kommt. Eine Verbotsliste auf Satzebene findet das nicht, weil kein Verbot verletzt ist. Aptum findet es, weil es vorher fragt, was der Text behauptet und welche Versprechen er einlöst.

Die zwei eisernen Regeln

  1. Keine erfundenen Fakten. Zahlen, Namen, Fundstellen, Studien, Daten, Beispiele nur aus der Materialbasis.
  2. Streichen und umstellen ist erlaubt. Hinzufügen nie. Wer eine Lücke findet, meldet sie. Wer sie füllt, produziert eine Fälschung, die besser aussieht als das Original.

Regel 2 ist der Grund, warum der Prüflauf nutzbar ist. Ein Kritiker mit Ergänzungsrecht schließt jede Lücke, die er findet, und der Beleg, den er dann schreibt, ist erfunden.

Die Phasen

Phase Ergebnis Datei
0 Auftrag Situationsprofil, Kernsatz, stärkster Einwand references/00-auftrag.md
1 Materialbasis nummerierte Faktenliste mit Quellen references/01-materialbasis.md
2 Bauplan Absatzskelett mit Behauptung und Faktenbindung references/02-bauplan.md
3 Ausformulierung Prosa mit Belegbindung SKILL.md, references/muster.md
4 Prüfung Befunde und revidierte Fassung references/kritiker.md
5 Freigabe Entscheidung des Autors

Phase 0 ist ein Tor. Besteht der Kernsatz die Widerspruchsprobe nicht, wird nicht geschrieben, sondern nachgefragt.

Widerspruchsprobe: Kernsatz in einem Satz, dann die Verneinung ausschreiben. "Die KI-Verordnung stellt Unternehmen vor Herausforderungen" verneint sich zu einer Position, die niemand vertritt, also behauptet der Text nichts. "Die KI-Verordnung knüpft Pflichten an den Verwendungszweck, nicht an die Technik" verneint sich zu einer vertretbaren Gegenposition, also trägt der Kernsatz.

Belegbindung

Die wirksamste Einzelmaßnahme. Im Arbeitsentwurf trägt jeder Satz eine Marke:

  • [F3] für eine Behauptung aus Fakt 3 der Materialbasis
  • [Schluss] für eine Folgerung aus den Fakten
  • [Bild] für Szene, Metapher, Einstieg

Ein Satz, der keine der drei Marken bekommen kann, ist Füllmaterial und wird gestrichen. Damit wird Erfundenes strukturell unmöglich statt stilistisch verboten: Die Garage aus dem Beispiel oben lässt sich nicht schreiben, weil kein Fakt sie hergibt.

[Bild] ist die Freistelle. Szenen und Metaphern unterliegen der Belegbindung nicht, weil ein zu strammer Prozess sonst genau das wegoptimiert, was einen Text lesenswert macht. Ihre einzige Bedingung: Was der Bauplan als prominent eingeführt vermerkt, wird auch eingelöst.

Der Kritiker

Drei Ebenen, absteigend nach Reparierbarkeit, mit unterschiedlichen Rechten.

Ebene Findet Darf ändern
1 Anlage fehlende These, unbelegte Behauptung, offenes Versprechen nein, nur melden
2 Struktur Absatz ohne Behauptung, Themenbruch, doppelter Absatz streichen und umstellen
3 Mechanik Floskel, Nominalstil, Aphorismus in exponierter Position ja

Er läuft als eigener Durchgang ohne den Entstehungskontext. Wer im selben Zug formuliert und dann fragt, ob der Satz hohl ist, antwortet systematisch mit nein.

Meta-Regel für alle Prüfungen: Eine Prüfung ist nur dann eine Prüfung, wenn sie eine abzählbare Liste mit Textstellen erzeugt. Kann ein Kriterium keine Position ausgeben, ist es ein Urteil, und bei Urteilen behauptet ein Sprachmodell zuverlässig Erfüllung.

Aufbau

SKILL.md                        Orchestrierung, Phasen, Skalierung
references/
  00-auftrag.md                 Phase 0, mit fünf Stilprofilen
  01-materialbasis.md           Phase 1
  02-bauplan.md                 Phase 2
  kritiker.md                   Phase 4, Rechtemodell und Ebene 2
  ebene1-anlage.md              Ebene 1, sechs Prüfungen
  muster.md                     Ebene 3, Stilregeln mit Geltungsbereich
docs/
  herkunft.md                   Forschungsstand, Quellen, was nicht trägt
  fallstudie-ki-vo.md           ein Fachtext durch alle fünf Phasen
  stand-und-entscheidungen.md   Projektstand, Begründungen, offene Punkte
CLAUDE.md                       Arbeitsanweisung für Änderungen am Repo
build.sh                        erzeugt aptum.skill

Installation

./build.sh

Erzeugt aptum.skill. Diese Datei im Claude-Client öffnen und speichern. Alternativ den Ordner direkt unter ~/.claude/skills/aptum/ ablegen.

Der Vorgängerskill de-fachstil hat nahezu identische Auslöser. Solange beide aktiv sind, ist nicht vorhersagbar, welcher greift. Vor der Installation deaktivieren oder löschen.

Skalierung

Fünf Phasen für einen Dreizeiler sind Unfug, und ein schlecht ausgefüllter Auftrag ist schlimmer als keiner, weil er falsche Sicherheit erzeugt.

Umfang Phasen Prüfung
unter 150 Wörter Kernsatz und Fakten in drei Zeilen, dann Phase 3 nur Ebene 3
150 bis 800 Wörter 0 und 1 knapp, 2 als Stichpunkte Ebene 1 und 3
über 800 Wörter vollständig Ebene 1, 2 und 3

Was der Skill nicht kann

  • Kein Qualitätsurteil. Alle Prüfungen zusammen sagen nicht, ob ein Text gut ist. Sie sagen, wo er etwas offen lässt.
  • Kein Stilvergleich. Stil ist eine Vergleichsgröße und bräuchte ein Korpus vergleichbarer Texte. Ohne Korpus prüft der Skill jeden Text nur gegen sich selbst und gegen den Auftrag.
  • Keine Wirkungsprognose. Ob ein Text ankommt, entscheidet der Leser.
  • Keine Faktenprüfung. Der Kritiker findet fehlende Belege, nicht falsche Angaben.
  • Keine Garantie nach oben. Der Prozess sichert den Boden, nicht die Decke. Er verhindert zuverlässig Füllmaterial und erzeugt keine gelungene Szene.

Offene Punkte

  • Kein Vergleichskorpus, siehe oben.
  • Keine Eval. Ob die Prüfungen treffen, ist bisher an einem Durchlauf gezeigt (Fallstudie), nicht gemessen. Belastbar würde es mit etwa fünfzehn selbst eingestuften Sätzen als Testmenge.
  • Phase 0 und 1 sind die Stellen, an denen ein Prozess in der Praxis übersprungen wird. Ob das hier passiert, weiß niemand vor dem dritten echten Text.
  • Ebene 2 ist ungetestet, sie greift erst ab etwa 400 Wörtern. Vier der fünf Stilprofile ebenfalls.

Vollständig in docs/stand-und-entscheidungen.md.

Lizenz

MIT

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Phasenbasierter Schreib- und Prüfprozess für deutsche Texte als Claude-Skill. Auftrag, Material, Bauplan, Ausformulierung, Kritiker.

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